Ein Unfallbericht hält fest, was passiert ist – solange die Erinnerung frisch ist. Er dient dem Betrieb für die Unfallanzeige und die Gefährdungsbeurteilung, der Berufsgenossenschaft für die Anerkennung und der verletzten Person als Beweis, falls später Folgeschäden auftreten. Mit den folgenden Mustern ist er in zehn Minuten geschrieben.
Kurz gesagt: Ein guter Unfallbericht beantwortet die W-Fragen – wer, wann, wo, was, wie, womit, welche Folgen –, bleibt sachlich und verzichtet auf Schuldzuweisungen. Die Schilderung sollte so genau sein, dass jemand, der nicht dabei war, den Ablauf vor Augen hat.
Unfallbericht, Unfallanzeige, Verbandbuch – was ist was?
| Dokument | Wer | Wann |
|---|---|---|
| Verbandbuch | Ersthelfer oder Verletzte | bei jeder Verletzung, auch Bagatellen |
| Unfallbericht | Verletzte, Zeugen, Vorgesetzte | intern, als Grundlage und Gedächtnisstütze |
| Unfallanzeige | Arbeitgeber | an die BG, bei mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit |
Der Unfallbericht ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber die beste Grundlage für die Unfallanzeige. Viele Betriebe haben dafür ein eigenes Formular.
Die W-Fragen
- Wer war beteiligt, wer wurde verletzt, wer war Zeuge?
- Wann: Datum und Uhrzeit, möglichst genau.
- Wo: genauer Ort – Halle 2 an Maschine 4, Treppenhaus Nord zwischen EG und 1. OG.
- Was wurde gerade gemacht, und war es eine Arbeitsaufgabe?
- Wie ist es passiert: der Ablauf Schritt für Schritt.
- Womit: Maschine, Werkzeug, Material, Fahrzeug.
- Welche Folgen: verletzte Körperteile, Erste Hilfe, Arzt, Arbeit eingestellt.
Das „Warum“ gehört in einen eigenen Absatz und ist optional – etwa „Stufenkante war beschädigt“. Vermutungen kennzeichnen Sie als solche.
Vorlage zum Ausfüllen
Unfallbericht
Verletzte Person: [Name, Abteilung, Tätigkeit]
Datum und Uhrzeit des Unfalls: [TT.MM.JJJJ, hh:mm Uhr]
Unfallort: [Gebäude, Raum, genaue Stelle]
Tätigkeit zum Unfallzeitpunkt: [was, in wessen Auftrag]
Unfallhergang: [Ablauf in ganzen Sätzen, chronologisch]
Beteiligte Gegenstände: [Maschine, Werkzeug, Material]
Verletzung: [Körperteil, Art der Verletzung]
Erste Hilfe durch: [Name], Eintrag Verbandbuch: [ja/nein]
Ärztliche Behandlung: [Durchgangsarzt/Klinik, Name, Ort]
Arbeit eingestellt: [nein / sofort / um hh:mm Uhr]
Zeugen: [Namen, Kontakt]
Ort, Datum, Unterschrift: [ ]
Beispiel 1: Sturz auf der Treppe
Am 14.03. gegen 10:15 Uhr trug ich einen Karton mit Kopierpapier (ca. 12 kg) aus dem Lager im Erdgeschoss über das Treppenhaus Nord ins 1. Obergeschoss. Auf der vorletzten Stufe blieb ich mit der rechten Schuhspitze an der Stufenkante hängen, fiel nach vorn und fing mich mit der rechten Hand ab. Dabei knickte das rechte Handgelenk ein. Die Treppe war trocken und beleuchtet, die Sicht auf die Stufen war durch den Karton eingeschränkt. Frau K. (Buchhaltung) kam dazu und leistete Erste Hilfe (Kühlung, Eintrag Verbandbuch). Anschließend fuhr ich zum Durchgangsarzt Dr. M.
Beispiel 2: Schnittverletzung in der Küche
Am 02.05. um ca. 18:40 Uhr schnitt ich an der Vorbereitungsstation in der Küche Zwiebeln mit einem Kochmesser (Klingenlänge 20 cm). Beim Nachgreifen rutschte die Zwiebelhälfte auf dem feuchten Schneidbrett weg und die Klinge traf die Kuppe des linken Zeigefingers. Die Wunde blutete stark. Der Küchenchef Herr S. legte einen Druckverband an und trug den Unfall ins Verbandbuch ein. Ich stellte die Arbeit um 18:50 Uhr ein und wurde in der Notaufnahme des Klinikums genäht.
Beispiel 3: Wegeunfall mit dem Fahrrad
Am 21.09. fuhr ich um 7:30 Uhr mit dem Fahrrad von meiner Wohnung (Musterstraße 5) auf dem direkten Weg zur Arbeit. In der Bahnhofstraße, Höhe Hausnummer 20, öffnete sich die Tür eines parkenden Autos. Ich bremste, kam auf dem nassen Asphalt ins Rutschen und stürzte auf die linke Schulter. Die Fahrerin des Autos (Name und Kennzeichen notiert) rief den Rettungsdienst. Die Polizei nahm den Unfall auf. Ich wurde in die Notaufnahme gebracht. Einen Umweg oder eine Unterbrechung gab es nicht.
Bei Wegeunfällen ist die Route entscheidend. Nennen Sie Start, Ziel und ob Sie unterwegs angehalten haben – mehr dazu im Ratgeber Wegeunfall.
Beispiel 4: Autounfall auf einer Dienstfahrt
Am 08.11. gegen 14:05 Uhr fuhr ich mit dem Firmenwagen (Kennzeichen M-XY 123) im Auftrag meines Arbeitgebers zu einem Kundentermin in Freising. Auf der B 11, etwa 500 m nach der Ausfahrt Neufahrn, bremste das vorausfahrende Fahrzeug wegen eines Staus stark ab. Ich bremste ebenfalls, konnte einen Auffahrunfall aber nicht vermeiden. Die Geschwindigkeit betrug zu diesem Zeitpunkt etwa 40 km/h. Durch den Aufprall erlitt ich Schmerzen im Nacken. Die Polizei nahm den Unfall auf (Aktenzeichen notiert). Am Fahrzeug entstand Schaden an der Front.
Bei Autounfällen gehören Kennzeichen, Unfallgegner, Polizeiaktenzeichen und Fotos dazu. Die Versicherung braucht außerdem einen eigenen Unfallbericht. Wer für den Schaden am Firmenwagen haftet, steht im Ratgeber Unfall mit dem Firmenwagen.
Was nicht in den Unfallbericht gehört
- Schuldzuweisungen wie „aus Unachtsamkeit“ oder „selbst schuld“. Verschulden spielt für den Versicherungsschutz keine Rolle und führt nur zu Streit.
- Diagnosen, die kein Arzt gestellt hat. Schreiben Sie „Schmerzen im Handgelenk“, nicht „Handgelenk gebrochen“.
- Vermutungen als Tatsachen. Wer etwas nicht gesehen hat, schreibt „vermutlich“ oder lässt es weg.
- Beschönigungen. Ein zu harmlos geschilderter Unfall kann später gegen die Anerkennung von Folgeschäden sprechen.
Sturzprotokoll in der Pflege
Stürzt eine Bewohnerin oder ein Patient, ist das kein Arbeitsunfall der Pflegekraft, sondern ein Pflegeereignis. Dokumentiert wird es im Sturzprotokoll: Zeitpunkt, Ort, Situation vor dem Sturz, Auffindesituation, Verletzungen, Vitalzeichen, informierte Personen (Arzt, Angehörige) und die eingeleiteten Maßnahmen. Verletzt sich dagegen die Pflegekraft selbst beim Auffangen oder Aufheben, ist das ein Arbeitsunfall und gehört in Verbandbuch und Unfallbericht.
Häufige Fragen
Wer schreibt den Unfallbericht?
In der Regel die verletzte Person selbst oder die Vorgesetzte bzw. der Vorgesetzte, möglichst mit Angaben der Zeugen. Kann die verletzte Person nicht schreiben, übernimmt das jemand, der dabei war.
Wie schreibt man einen Unfallbericht?
Chronologisch, in ganzen Sätzen, entlang der W-Fragen: wer, wann, wo, was, wie, womit, welche Folgen. Sachlich bleiben, keine Schuldzuweisungen, Vermutungen kennzeichnen.
Wie beschreibe ich den Unfallhergang?
So, dass ein Außenstehender den Ablauf vor Augen hat: Was taten Sie gerade, was löste den Unfall aus, wie kam es zur Verletzung? Konkrete Angaben – Gewicht, Höhe, Werkzeug, Stelle – sind besser als allgemeine Formulierungen.
Muss ich einen Unfallbericht unterschreiben, den der Chef geschrieben hat?
Nur, wenn er stimmt. Weicht die Darstellung ab, schreiben Sie Ihre eigene Version dazu oder unterschreiben nicht. Die BG fragt bei Unklarheiten ohnehin bei Ihnen nach.
