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Privater Unfall und Lohnfortzahlung: Wer zahlt wie lange?

Unfall in der Freizeit: Der Arbeitgeber zahlt sechs Wochen Lohn weiter, danach die Krankenkasse Krankengeld. Wann die Lohnfortzahlung entfällt und was bei …

berufsgenossenschaften.info3 Min. Lesezeit
Privater Unfall und Lohnfortzahlung: Wer zahlt wie lange?

Ein Sturz beim Joggen, ein Unfall mit dem Fahrrad am Wochenende, ein Missgeschick im Haushalt: Private Unfälle sind nicht über die Berufsgenossenschaft versichert. Beim Lohn stehen Beschäftigte trotzdem nicht schlechter da – zumindest in den ersten sechs Wochen.

Kurz gesagt: Auch nach einem privaten Unfall zahlt der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen den vollen Lohn weiter. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld (70 % des Bruttos, höchstens 90 % des Nettos). Die Lohnfortzahlung entfällt nur, wenn Sie den Unfall grob schuldhaft selbst verursacht haben – und das muss der Arbeitgeber beweisen.

Lohnfortzahlung: gleiche Regeln wie bei Krankheit

Für das Entgeltfortzahlungsgesetz spielt es keine Rolle, ob Sie wegen einer Grippe, einer Operation oder eines Freizeitunfalls ausfallen. Voraussetzungen sind:

  • Das Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens vier Wochen. Vorher zahlt direkt die Krankenkasse Krankengeld.
  • Sie sind wegen des Unfalls arbeitsunfähig, und ein Arzt hat das festgestellt.
  • Sie melden die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich, am besten am ersten Tag vor Arbeitsbeginn.
  • Sie haben den Unfall nicht selbst verschuldet, im Sinne des Gesetzes.

Die Krankschreibung übermittelt die Arztpraxis heute elektronisch an die Krankenkasse (eAU). Ihr Arbeitgeber ruft sie dort ab. Sie müssen ihn nur informieren, dass Sie arbeitsunfähig sind und wie lange voraussichtlich.

Wann die Lohnfortzahlung entfällt

„Verschulden“ bedeutet im Entgeltfortzahlungsrecht nicht jede Unachtsamkeit, sondern einen groben Verstoß gegen das eigene Interesse – ein Verhalten, das ein verständiger Mensch im eigenen Interesse nie an den Tag legen würde. Beispiele aus der Rechtsprechung:

In der Regel kein AnspruchAnspruch bleibt
Autounfall unter erheblichem Alkoholeinflussnormaler Verkehrsunfall, auch bei leichter Unaufmerksamkeit
Verletzung, die durch einen nicht angelegten Sicherheitsgurt entstanden istSturz im Haushalt oder beim Spazierengehen
selbst angezettelte SchlägereiOpfer eines Angriffs
grober, bewusster Verstoß gegen Sicherheitsregeln einer SportartSportunfall bei Fußball, Skifahren, Reiten, Kampfsport

Sport ist ein häufiger Streitpunkt. Die Gerichte haben bisher kaum eine Sportart als so gefährlich eingestuft, dass allein die Teilnahme ein Verschulden wäre. Entscheidend ist, ob Sie Ihre Kräfte und Fähigkeiten deutlich überschätzt oder elementare Regeln missachtet haben.

Die Beweislast liegt beim Arbeitgeber: Er muss darlegen, dass Sie den Unfall grob schuldhaft verursacht haben. Sie müssen aber an der Aufklärung mitwirken und auf Nachfrage schildern, wie es zum Unfall kam.

Nach sechs Wochen: Krankengeld

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger, zahlt ab der siebten Woche die Krankenkasse Krankengeld – 70 % des Bruttoentgelts, höchstens 90 % des Nettos, längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Erkrankung. Viele Tarifverträge sehen einen Zuschuss des Arbeitgebers vor. Wie das Krankengeld berechnet wird, steht im Ratgeber Krankengeld berechnen.

Zum Vergleich: Bei einem Arbeits- oder Wegeunfall gibt es stattdessen Verletztengeld der BG. Das ist mit 80 % des Bruttos spürbar höher – siehe Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfall. Deshalb lohnt sich bei Unfällen auf dem Weg zur Arbeit oder bei einer Firmenfeier die Frage, ob nicht doch ein versicherter Unfall vorliegt.

Wenn ein anderer schuld war

Hat ein Dritter den Unfall verursacht, etwa ein Autofahrer oder ein Hundehalter, zahlt der Arbeitgeber trotzdem erst einmal den Lohn weiter. Er holt sich das Geld anschließend beim Verursacher bzw. dessen Haftpflichtversicherung zurück (§ 6 EFZG), die Krankenkasse beim Krankengeld ebenso. Sie sind verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber die dafür nötigen Angaben zu machen, also Name, Versicherung und Unfallhergang. Verweigern Sie das, darf er die Lohnfortzahlung zurückhalten.

Eigene Ansprüche wie Schmerzensgeld und nicht ersetzte Kosten machen Sie selbst beim Verursacher geltend.

Private Unfallversicherung: kein Lohnersatz

Eine private Unfallversicherung zahlt in der Regel bei bleibenden Schäden eine Invaliditätsleistung oder Rente. Den Lohnausfall der ersten Wochen deckt sie meist nicht, das leisten Entgeltfortzahlung und Krankengeld. Wer höhere Einkommen absichern will, braucht dafür eine Krankentagegeld- oder Berufsunfähigkeitsversicherung.

Häufige Fragen

Bekomme ich nach einem privaten Unfall Lohnfortzahlung?

Ja, bis zu sechs Wochen, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens vier Wochen besteht und Sie den Unfall nicht grob schuldhaft selbst verursacht haben.

Muss ich dem Arbeitgeber sagen, wie der Unfall passiert ist?

Die Diagnose nicht. Hat ein Dritter den Unfall verursacht, müssen Sie aber die Angaben machen, die der Arbeitgeber für seinen Rückgriff braucht. Bei begründeten Zweifeln am fehlenden Verschulden müssen Sie außerdem an der Aufklärung mitwirken.

Zahlt der Arbeitgeber auch bei einem Skiunfall?

In aller Regel ja. Skifahren gilt nicht als besonders gefährliche Sportart. Anders kann es sein, wenn Sie etwa abseits gesperrter Pisten oder stark alkoholisiert gefahren sind.

Was ist, wenn der Unfall in den ersten vier Wochen des Jobs passiert?

Dann zahlt die Krankenkasse von Anfang an Krankengeld, sofern Sie gesetzlich versichert sind und Anspruch darauf haben. Ab dem 29. Tag übernimmt der Arbeitgeber für bis zu sechs Wochen.

Ist ein Unfall bei der Weihnachtsfeier privat?

Nicht unbedingt. Eine vom Arbeitgeber veranstaltete Betriebsfeier, die allen offensteht, ist in der Regel gesetzlich unfallversichert. Dann gilt sie als Arbeitsunfall.

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